Fokus: Strange Days

Ein minuten-, manchmal nur sekundenlanger Schuss synthetischer Wirklichkeit. Purer, intensiver und unvergesslicher als alles tatsächlich Erlebte. Filmclips als Droge, die in schmuddeligen Ecken gedealt, dann direkt ins Hirn geknallt wird und ihre Konsumenten prompt abhängig macht. Strange Days, der Science-Fiction-Film von Kathryn Bigelow, ist der schillernde Namenspate des gemeinschaftlichen Filmprogramms von VIS, den Kurzfilmtagen Winterthur und dem Internationalen KurzFilmFestival Hamburg. Das Konzept: Ein Titel, ein Thema, zu dem jedes Festival je ein Programm kuratiert, das mit den anderen auf allen drei Festivals zu sehen sein wird.

Gemeinschaftlich, weil alle drei Festivals die waghalsige, experimentelle und gerne grenzwertige Filmkunstform ?Kurzfilm? schätzen. Weil wir alle das Netzhautflackern und Kopfleuchten, eben die Strange Days nach der Sichtung Tausender von Filmen kennen und weil wir ähnliche Stimmungen, formale Trends und ästhetische Stilbildungen in den bei uns eingereichten Jahrgängen ausmachen.

Strange Days ist also das Label für ein gemeinschaftliches Debüt, das sich in drei Programmen inhaltlich und formalästhetisch mit verstörenden Wirklichkeitsverschiebungen und Bilderinjektionen befasst. Wir begegnen pubertären Ausnahmezuständen, traumähnlicher Schwerelosigkeit und der Logik einer verkehrten Welt. Strange Days ist aber auch das diesjährige Thema, das sich motivisch durch das Festivalprogramm von VIS zieht. Wir unternehmen eine Reise durch das surrealistische Kino, widmen uns dem Trend des animierten Horrorfilms, kümmern uns ebenso um winzige Erschütterungen des Alltäglichen wie große soziale, kulturelle oder geopolitische Umstürze.

Und ganz anders als in Bigelows ?Strange Days? ist für uns der Kurzfilm keine gut zu verabreichende, schnell konsumierbare industrielle Entertainmentware, sondern verdichtetes Kino, unaufhörliche Herausforderung und dabei oft genug auch allergrößtes Vergnügen.

Text: Birgit Glombitza (IKFF Hamburg), ergänzt durch Daniel Ebner (VIS)

Präsentiert von The Gap